Opel: Retten, was zu retten ist?
Posted by: Curaitis in Uncategorized, tags: automobilbranche, ford, insolvenz, krise, opel, wirtschaftJetzt ist es also soweit, daß der Flächenbrand namens Finanzkrise auch auf andere Branchen übergreift, in diesem Fall namentlich die Automobilbranche. Als erster Hersteller hat nun Opel an die deutsche Regierungstür geklopft und um staatliche Unterstützung gebeten. Der Staat soll demnach Bürgschaften in noch nicht geklärter, aber vermutlich zehnstelliger Höhe übernehmen, um die Zahlungsfähigkeit des Konzerns zu garantieren.
Dabei soll Opel selbst gar nicht unbedingt vor der Pleite stehen - wäre da nicht Konzernmutter General Motors: Dank verfehlter Modellpolitik, sich stapelnder (und zunehmend an Wert verlierenden) Leasingrückläufer, ineffizienten Produktionsmethoden… - haben die Jungs Detroit eigentlich irgendwas richtig gemacht in den letzten Jahren? - steht GM kurz vor der anscheinend sicheren Insolvenz. Während des Insolvenzverfahrens müßte sich GM nicht um seine Schulden kümmern, was widerum schlecht für Opel wäre, denn die deutsche Konzerntochter wartet offenbar auf noch ausstehende Zahlungen für erbrachte Entwicklungsleistungen. Sind also einige Milliarden, die in der Kasse fehlen. Hinzu kommt noch die erheblich gesunkene Nachfrage nach Neuwagen.
Daher ist die Regierung gerade dabei, über staatliche Hilfen für Opel zu beraten, allen voran Kanzlerin Merkel und Hessens Koch, aber auch Steinbrück und -meier von der SPD sind mit von der Partie. Immerhin geht es hier um knapp 26.000 Arbeitsplätze allein in Deutschland. Und wenn die mitsamt dem Autokonzern den Bach runtergehen, ist die Regierung letztlich schuld daran. Was so nicht stimmt, aber letztlich läuft es darauf eigentlich immer hinaus. Und man muß es ja auch so betrachten: Die Banken haben gerade ca. 500 Milliarden Euro an staatlichen Beihilfen in den Rachen geworfen bekommen, da wäre es ungerecht, wenn für andere Branchen nicht das selbe gelten würde, oder? Dieser Umstand kombiniert mit Tausenden von demonstrierenden Opelanern - die Ganzlinkspartei würde sich die Hände reiben. Vor allem, weil die Landtagswahlen, zweiter Versuch, in Hessen vor der Tür stehen.
Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, daß wieder einmal die Allgemeinheit, also die Steuerzahler, für das Versagen der privatwirtschaftlichen Entscheidungsträger geradestehen sollen. Bei den Banken war dies schon mit großen Zähneknirschen verbunden und ginge es nicht gerade um das gesamte Wirtschaftssystem, hätte man von mir aus ruhig die eine oder andere Bank übern Jordan gehen lassen können. In dieser globalen Vertrauenskrise ging es letztlich darum, das gesamte System zu stabilisieren und am Leben zu halten, dazu wurde quasi jede Bank benötigt.
So leid es mir tut, aber ich bezweifle, das die Welt tatsächlich Opel unbedingt benötigt. Es geht der Marke Opel ebenso wie dem Mutterkonzern GM ja nicht primär deshalb so schlecht, weil sich es der Weltwirtschaft so schlecht geht. Nein, eigentlich werden die Vorgänge durch die Finanzkrise nur etwas beschleunigt, denn auch unter günstigeren Umständen hätte GM ja nicht plötzlich zeitgemäße Autos im Programm, und die Rüsselsheimer wären ihre historisch gewachsenen Imageprobleme auch nicht über Nacht los.
Dazu kommt noch das Problem der Wettbewerbsverzerrung: Kommt Opel - staatlicher Bürgschaften sei Dank - in den Genuß günstiger Kredite, werder auch andere Automobilhersteller auf der Matte stehen und um der Gerechtigkeit willen auf Unterstützung pochen. Es ist erstaunlich und ich hätte im Leben nicht gedacht, daß dieser Tag kommen würde… aber ich bin mit Wirtschaftsminister Michael Glos einer Meinung!
Es sollte allerdings auch nicht verschwiegen werden, daß Opel nicht der einzige Automobilhersteller in Deutschland ist, der unter dem Versagen der amerikanischen Konzernmutter zu leiden hat: Auch Ford bitte Merkel um Unterstützung.


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