Einfach den Artikel lesen, dann sollte jeder eine Ahnung haben, warum ich auf die Frage nach dem Bremer Elendsviertel immer lache und antworte: “Das Elendsvierel? Wir haben da eine stolze Auswahl anzubieten.” Herrje, haben die Kinder keine Hausaufgaben zu machen?
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Wie viele Raser braucht man, um ein Stadtviertel offline gehen zu lassen? Naja, ich habe zwar weder einen Unfallbericht noch einen Zeitungsartikel über den Unfallhergang gelesen, aber offenbar reicht ein Hobbyrennfahrer dazu völlig aus - wenn er mit seinem Wagen zufällig den Telefonverteilerkasten niedermäht. Reife Leistung - zumindest stellt der Verteilerkasten ein kleineres Ziel dar als die Freikirche, die letzten Sommer demoliert wurde. Ich wage es ja kaum zu sagen, aber: Könnte mal bitte jemand kommen und Geschwindigkeitskontrollen durchführen?
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Als ich gerade in meinen Statistiken geblättert habe, fiel mir auf, daß irgendein Besucher auf mein tapferes kleines Weblog verwiesen wurde, als er/sie nach “woltmershausen ghetto” gesucht hat. Falls Sie, geehrte(r) Besucher(in), hier noch einmal reinschneien, hätte ich gern eine Frage beantwortet, die ich mir seit einiger Zeit stelle: “Wie schlimm ist dieses Viertel eigentlich?”
Gewiss, Woltmershausen ist nicht unbedingt Bremens Szene-Viertel. Auch trifft man beim Busfahren oder Einkaufen im Vergleich zu Schwachhausen oder Horn-Lehe auf mehr Menschen, die vermutlich nie in die Verlegenheit kommen werden, Kapitalertragssteuern zahlen zu müssen. Aber - Wort drauf! - man kann meiner Meinung nach (1)relativ risikofrei (2)mitten in der Nacht (3)ziemlich angeheitert nach Hause spazieren, ohne am nächsten Morgen ohne Brieftasche, Kleidung oder wichtige Organe aufzuwachen. Ich vermute ohnehin, wenn man den Rembertiringerst verlassen hat, ist das Schlimmste geschafft.
Ansonsten gab es letztes Jahr eine Studie, wonach in Woltmershausen etwa ein Drittel aller Kinder in Haushalten aufwachsen, die von Armut betroffen sind. Natürlich klingt das viel - in Bremen landet dieses Viertel damit allerdings immer noch im Mittelfeld. Das bedeutet entweder Gutes für Woltmershausen oder Schlechtes für Bremen. Naja, für die Höhe der Miete ist es definitiv gut
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Hier, gucken: Auf Spiegel Online ist eine Interaktive Karte zu sehen mit den zehn gefährlichsten Großstädten Deutschlands. Ein Klick auf Bremen und siehe da: Bremen ist Dritter! Viele Bremer werden jetzt vielleicht sagen: Besser in der Kriminalitätsstatistik als in der Bundesliga.
Aber mein persönlicher Eindruck war offenbar richtig, man erlebt in dieser Stadt einfach mitunter kuriose Überraschungen. Wie zum Beispiel neulich, als ich nachmittags in einem eigentlich recht bürgerlichen Viertel zu Fuß unterwegs war und mich ein entgegenkommender minderjähriger Mofafahrer angebrüllt hat, der mit seiner kleinen Freundin auf dem Gepäckträger unterwegs war. Gut, richtig bedrohlich kam das nicht gerade rüber, so durch den halb geschlossenen Integralhelm. Aber man merkte schon: Der Junge ist entweder unlustig, aggro oder beides. Außerdem sollte ihm vielleicht jemand sagen, dass ein gewaltbereiter Psychopath (wie er es offenbar einmal wird) ein mit zwei Personen besetztes Mofa ohne Anstrengung mit einem kleinen Sprint zu Fuß einholen kann.
Und wo wir grad’ beim Thema sind: So sehr mich Wahlplakate auch normalerweise abstossen, liebe Volksparteien, wollt Ihr die optische Lufthoheit in meinem Viertel (Woltmershausen) tatsächlich den Parteien vom rechten Rand überlassen? “Luft-hoheit” trifft es übrigens auch insofern, als dass DVU und REPs ihre Plakate ungewöhnlich hoch aufgehängt haben (wohl auch, weil sie in geringerer Höhe jugendlichem Vandalismus zum Opfer gefallen sind). Oder wollen die Regierungsparteien vielleicht den anderen Parteien den Vortritt lassen in Sachen Werbung und schauen, wer sich als Koalitionspartner anbietet? Ab und zu erblicke ich noch ein FDP-Plakat, dass die Grünen die Umwelt nicht durch Werbung belasten wollen, verstehe ich, und in Huchting (!) habe ich neulich ein tapferes PBC-Plakat entdeckt.
Mal sehen, was noch kommt, ist ja noch ein paar Wochen hin. Aber, liebe Parteien, liebe Politiker: Wenn einer von Euch meine Stimme will, solltet Ihr Euch bis dahin lieber etwas anstrengen.
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