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Wenn das erste, was man am Morgen sieht, die Schnorrkiddies von nebenan bei der Benutzung des eigenen Grills sind, fängt der Morgen richtig toll an. Das Frühstück fiel kurz aus, da wir für das Zusammenpacken und Zum-Auto-Bringen locker drei bis vier Stunden veranschlagen mußten. Die Schätzung kam auch ungefähr hin. Bei der letzten Tour kündigte sich bereits Regen an, auf dem Gelände selbst hielten wir uns passenderweise gerade in einem großen Partyzelt auf, als es richtig schüttete! Der hauseigene DJ hatte dazu passenderweise alles gespielt, was sein Musikarchiv zum Thema “Regen” hergab. Wir saßen jedenfalls trocken, genossen das Schauspiel und staubig war es hinterher jedenfalls nicht mehr.

Die besuchten Bands sind schnell aufgezählt: Flogging Molly, Black Rebel Motorcycle Club und Radiohead haben wir noch durch Anwesenheit beehrt. Naja… für einen Hauptact war es bei Radiohead ziemlich leer, muß ich sagen. Passte so gesehen ganz gut, wir waren ohnehin wegen des “Dann haben wir sie mal gesehen” da. Gute Musik machen sie ja, aber als Frohnaturen sind Radiohead ja nicht unbedingt bekannt.

Beim Blick in den Himmel war es schon fast Nacht… “Moment mal, auf der anderen Seite ist es aber noch hell… war das ein Blitz eben?” Wir drei tauschten schnelle Blicke aus - “Zum Auto, und zwar fix!” Nun gut, das erwartete Unwetter blieb aus, aber aus 2006 sollten alle etwas gelernt haben (Stichwort “Sintflut bei Muse-Auftritt”). Mit Roberts Gutscheinen bewaffnet haben wir noch den örtlichen “King” aufgesucht und leergefuttert, bevor wir gemächlich und navigesteuert nach Hause gefahren sind. Auf heimische Restegrillen haben wir dann doch verzichtet :) .

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Und wie wir das ja schon von 2006 gewohnt sind: Wenn man gleich am ersten Tag sein Pulver verschießt, tritt man am folgenden Tag automatisch kürzer. Mit anderen Worten: Musikalisch ging nicht mehr viel. Dafür haben wir beim Futtern einen Rekord aufgestellt. Und ich habe beim Dosen…. ähem, Eierbecherwerfen etwas gewonnen, aber davon muß ich noch ein Foto machen :) .

Das Festival wird übrigens immer internationaler, noch nie habe ich so viele Besucher aus den Niederlanden, Dänemark, Belgien oder sonst woher gesehen oder gehört. Als Nachbarn hatten wir unter anderem ein englisches (?) Pärchen, das von mir eine Ware erstehen wollte, mit der ich nicht handle.

Gegen halb fünf haben wir denn auch mal ein bißchen Musik gehört. Ein wenig Millencolin, ein wenig Rise Against sowie die mich persönlich angenehm überraschenden Kaiser Chiefs hörten wir uns von der Tribühne aus an. Danach - genau, grillen.

Höhepunkt des Tages war mit Abstand der Auftritt der Foo Fighters. Dave Grohl und seine Mannen waren ohnehin der wichtigste Grund für mich, auch dieses Jahr wieder nach Scheeßel zu pilgern und ich wurde nicht enttäuscht. Auch wenn die Band offenbar nicht glücklich damit war, nur 90 Minuten lang spielen zu dürfen, haben sie sich mächtig ins Zeug gelegt, nicht zu viel Zeit mit Schnacken verschwendet und einfach einen sehr guten Auftritt hingelegt, Triangel-Solo inclusive! Ob die Foo Fighters überhaupt wußten, wo sie waren (”Hey, Big Festival People!”)? Egal, wir waren jedenfalls glücklich!

Vor dem heimischen Zelt haben wir noch ein paar Vorräte zu uns genommen, nur damit wir nicht so viel zum Auto tragen mußten, versteht sich. Dabei haben wir dann auch gleich noch ein paar Schnorrkiddies aus der Nachbarschaft kennengelernt. Naja, man kann sich seine Nachbarn nicht aussuchen (wenn man als erster sein Zelt aufbaut). Waren jedenfalls angenehmer als Teile der Security: Einer hatte uns gleich am ersten Abend besucht und unsere teelichtbetriebene Laterne offenbar für ein Osterfeuer gehalten oder so. Seine Kollegen düsten das ganze Wochenende über mit ihren Quads über den Platz, damit auch ja kein Zelt von Staub verschont bliebe. Lästig. Gedankennotiz: Nächstes Jahr noch zwei Spaten einpacken.

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Das Wichtigste habe ich gleich nach dem Aufwachen festgestellt: Die Ohrstöpsel haben auch dieses Jahr ihren Dienst getan und mich trotz der mich umgebenden Barbaren schlafen lassen. Fahrt nie ohne Ohrstöpsel auf ein Rockfestival!!!
Na gut, nach dem reichhaltigen Frühstück sind wir - natürlich - nach Scheeßel-City gelaufen. Abgesehen davon, daß wir noch eine Zahnbürste erwerben mußten, ist es jedes Jahr einfach Pflicht, den Einheimischen einen Besuch abzustatten, die Scheeßeler sind wirklich nette Leute! Jedes Jahr dulden sie aufs neue die seltsame Barbarenhorde, die ihren kleinen Ort heimsucht. Naja, die Bollerwagenkinder und die örtlichen Pfandflaschensammler profitieren schließlich genauso von diesem Event wie die örtlichen Fleischer, Apotheken und Getränkehändler.
Nach unserem Einkauf sind wir schnell zum Gelände, zum Grillen blieb uns keine Zeit mehr. [Pause] [Gelächter] War nur Spaß - natürlich haben wir gegrillt :) . Dieses Jahr sehe ich mich übrigens zu einem Gesundheitsdisclaimer genötigt: Neben fettigem, bestimmt krebserregenden Grillfleisch nebst Soße haben wir drei Salate und diverses Gemüse dabei gehabt. Außerdem habe ich am Festivalwochenende drei Pfund Äpfel gegessen.
Ah ja, das eigentliche Gelände: Die “Osterweiterung” fand ja bereits im letzten Jahr statt - der Eichenring wurde mal eben auf die doppelte Fläche erweitert. Dieses Jahr war allerdings der Boden auch trittfest und keine Schlammwüste wie letztes Jahr. Dennoch war es mit etwa 70.000 Besuchern einfach nur voll.
Musik gab es natürlich auch, und die meisten uns interressierenden Band spielten am Freitag. Mal sehen, wie war das noch chronologisch?

  • Turbostaat fielen unserem Mittagessen zum Opfer. Stattdessen machten Shantel & Bucovina Club Orkestar bei uns um kurz vor fünf den Anfang. Keine Frage, die haben Spaß gemacht.
  • Um sechs ging es auf der selben Bühne weiter mit den Gitarrengöttern Rodrigo y Gabriela. Leute - es ist nicht zu glauben, was die beiden aus nur zwei Gitarren herausholen. Einer der absoluten Höhepunkte des diesjährigen Hurricane. Der einzige, der sicherlich enttäuscht war, war Rodrigo selbst - man sollte das Publikum eben nur Texte singen lassen, die es auch kennt.
  • Danach ein kleiner Abstecher zum Zelt, The Beautiful Girls schauen. Kannte keiner von uns. Eigentlich war der Grund unserer Neugier unser toller Festivalplaner, der die Musik als “Bärtige-Männer-Rock” bezeichnete. Traf es nicht ganz - ich habe mir beim Hören vorgestellt, wie sich “The Police” an Surfer-Rock versuchten. Haben mir übrigens sehr gut gefallen!
  • Monster Magnet haben dann wieder im Freien gespielt. Junge, ist der Sänger fett geworden! Unser Planer nannte als Genre übrigens “Fickrock”. Naja… stimmt.
  • Von Proleten umgeben haben wir uns (unterschiedlich lange) Deichkind angetan. Hihihi… lustig war es schon… Neulich habe ich als Umschreibung des Stils “Elektro-Trash” gelesen, für ehemalige HipHopper (naja…) nicht schlecht. Schöne Kostüme, witzige Bühnenshow und Ferris MC hat nette neue Kollegen.
  • Anschließend mußten wir drei Helden (Robert, Nils und ich) uns leider vorübergehend trennen (tjaja, wir liebten uns zwar, konnten uns aber nie auf gemeinsame Musik im Schlafzimmer einigen… au, au, nicht schlagen!) Erstmal habe ich mir eine halbe Stunde Jan Delay gegeben, der irgendwas gegen Revolverhald hatte. Danach mußte ich fix zur anderen Bühne, um mir die Beatsteaks anzusehen. die finde ich normalerweise schon sehr gut (und aus persönlichen Gründen haben sie bei mir gerade einen besonderen Stein im Brett). Ich glaube, der Auftritt war gut. Wäre allerdings nett, wenn ich auch was von der Musik gehört hätte - ich weiß nicht, welcher Praktikant da an den Reglern saß oder ob sich die Nachbarn über die laute Musik beschwert haben, jedenfalls kam bei mir kaum was verständliches an. Schade.
  • Als krönenden Abschluß des Tages haben Nils und ich dann noch die Chemical Brothers angeschaut. Geil, geil, geil! Dazu muß man sagen, daß die beiden Chemiebrüder weder singen noch Instrumente spielen, dafür aber ihre Stücke live auflegen und dabei eine gigantische Licht-, Laser- und Projektions-Show liefern. Und zu Block Rockin’ Beats kann man eben immer noch am Besten tanzen.

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Mit einem Tag Verspätung versuche ich mal, aus dem Gedächtnis einen kleinen Hurricane-Rückblick zu erstellen. Dank Dosenbier aus den Niederlanden und lustigen Dämpfen diverser Festivalbesucher gebe ich keine Garantie auf Richtigkeit, bei einigen Dingen weiß ich nicht hundertprozentig, ob ich sie geträumt habe (versuche, diese Dinge in nächster Zeit durch vorsichtiges Fragen zu verifizieren).
Bis unser Zelt stand, war es jedenfalls ein weiter Weg und noch mehr Arbeit. Das lag gar nicht mal an der Hinfahrt, die wir mit unserem ausgewachsenen Festivalmobil bewältigten (der Carnival bot etwa fünfmal so viel Stauraum wie das Fahrzeug der Vorjahre - mehr Platz hatten wir in beladenem Zustand komischerweise trotzdem nicht).
Nein, die eigentliche Arbeit war das Auffinden eines geeigneten Zeltplatzes. Unser ursprünglicher Wunschplatz war gerammelt voll, als wir dort ankamen. Die einzige genügend große Fläche war bereits von cleheheveren Geschäftsleuten reserviert worden (wie Robert bereits andeutete, mutierte “mein-zelt-steht-schon.de” je nach Laune und Tagesform zu “mein-zelt-brennt-schon.de” oder schlimmerem).
Jedenfalls waren wir mächtig angefressen und suchten uns einen anderen Zeltplatz aus. Er lag rund zwei Kilometer von unserem Parkplatz entfernt, bot allerdings geradezu paradiesische Verhältnisse (grüne Wiese, Toiletten in Blickreichweite). Nach drei weiteren Touren mit dem Bollerwagen (gut, daß wir den mit hatten!) und insgesamt etwa 15 Kilometer Fußmarsch hatten wir dann den ganzen Kram beisammen, das Zelt und den Grill aufgebaut und konnten endlich Grillen und nebenbei old school Fußball im Radio hören.

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