Der neue König der Welt
Posted by: Curaitis in Uncategorized, tags: Obama, präsident, usa, wahlenZum Thema US-Präsidentschaftswahlen muß man eigentlich nichts mehr schreiben, da bereits alles geschrieben worden ist, was es dazu zu schreiben gibt. Aber trotzdem tun es alle, und daher fühle ich mich geradezu verpflichtet, etwas zu dem Thema beizutragen.
Barack Obama ist nun also der nächste US-Präsident, was mich sehr freut. Jawohl, das ist mein voller Ernst. So richtig zum Fan geworden bin ich eigentlich vor allem durch sein Buch “The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream” (ohne Werbelink zu Amazon), das ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Wenn er alles ernst meint, was er schreibt, wird er ein gutes Staatsoberhaupt sein. Auch wenn er ziemlich viel zu tun haben wird, um all die Wünsche seiner Wähler zu erfüllen. Zumindest erscheint er mir geeigneter, die Probleme seines Landes anzugehen als sein Konkurrent McCain bzw. seine designierte Vize-Präsidentin, die den berühmten Herzschlag vom Weißen Haus entfernt war (möchte noch jemand den “Saturday Night Live”-Sketch sehen? Er ist klasse!) Allerdings hat sich McCain als guter Verlierer präsentiert.
Natürlich ist die Begeisterung für den charismatischen Obama sehr typisch amerikanisch - wenngleich auch wir Deutschen uns durchaus für Dinge begeistern können, auch wenn Fußball vergleichsweise unwichtig ist. Der richtige Kandidat im richtigen Land also. Man stelle sich vor, Obama hätte sich in Deutschland für das Amt des Bundeskanzlers beworben. “Ach, der kann auch nur reden…” oder “Die da oben machen ja doch alle, was sie wollen…” wären die typischen Reaktionen eines Deutschen auf einen solchen Politiker. Das Argument “Wer weiß, wie lange ein schwarzer Präsident im Amt überlebt” fand ich übrigens schon beim ersten Hören unglaublich daneben.
In der Annahme, die Demokraten würden das Rennen machen, konnten die USA ja nur gewinnen. Vor einigen Monaten stellte sich immerhin noch die Frage, ob der nächste US-Präsident womöglich entweder schwarz oder weiblich sei (und wieder verdränge ich mit aller Gewalt das Bild einer Präsidentin Palin aus meinem Kopf…) Nun also der direkte Nachkomme eines Einwanderers. Bravo!, können wir da nur sagen. Die US-Bevölkerung besitzt anscheinend tatsächlich die Reife, bei der Wahl des Staatsoberhauptes über Herkunft und Hautfarbe hinwegzusehen. Wären wir Deutschen etwas weniger oberlehrerhaft, würden wir uns vielleicht an dieser Stelle an die eigene Nase fassen. Schön, unser Kanzler ist eine Frau. Aber zählen wir doch mal, wie viele Nachkommen türkischer, russischer, italienischer, vietnamesicher, marokkanischer etc. usw. Eltern im Kabinett sitzen. Vom Kanzleramt gar nicht zu sprechen. Den Wahlkampf der Opposition hätte ich jetzt bereits vor dem geistigen Auge - “Nana, wenn der mal nicht von Ankara aus ferngesteuert ist…” - “Ob der wirklich Politik für alle Deutschen macht?” In diesem Fall könnte es sich lohnen, von den Amerikanern zu lernen.
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